30. März 2017

Letzte Tränen

„Ich war ein Kind, sieben oder acht Jahre alt, ich befand mich in einem freistehenden Haus, in der Nähe des geschlossenen Fensters, ich blickte nach draußen - und auf einmal, nichts könnte plötzlicher sein, war es, als ob der Himmel sich öffnete, sich dem Unendlichen unendlich öffnen würde, um mich durch diesen überwältigenden Moment der Öffnung einzuladen, das Unendliche, aber das unendlich leere Unendliche anzuerkennen. Das Ergebnis war befremdlich. Die plötzliche und absolute Leere des Himmels, nicht sichtbar, nicht dunkel - Leere von Gott: Das war explizit, und es überstieg darin den bloßen Verweis aufs Göttliche bei weitem -, überraschte das Kind mit einem solchen Entzücken, und einer solchen Freude, dass es für einen Moment mit Tränen erfüllt war, und - ich füge um die Wahrheit besorgt hinzu - ich glaube, es waren seine letzten Tränen.“

Maurice Blanchot: Die andere Urszene. Berlin 2008, S. 19. 

29. März 2017

Menschen weinen

Menschen weinen, weil sie verzweifelt sind. Weil sie einen Menschen verloren haben. Weil sie mit ihrem Partner gestritten haben. Weil sie Liebeskummer haben. Weil sie wütend sind. Weil sie enttäuscht sind. Weil sie sich selbst bemitleiden. Weil sie Angst haben. Weil sie Schmerzen spüren. Weil sie gestresst sind. Weil sie erschöpft sind. Weil ihr Haustier Schmerzen hat oder gestorben ist.

Weil jemand in Not unerwartet Hilfe bekam. Weil sie Mitgefühl haben. Weil sie erleichtert sind. Weil sie glücklich sind. Weil sie von Musik gerührt sind. Weil sie von einem Film bewegt wurden. Weil ihr Sohn oder ihre Tochter geboren wurde. Weil sie den Sieg oder die Niederlage in einem sportlichen Wettkampf gesehen haben. Weil sie Gründe dafür haben, die nur sie selbst kennen. 

28. März 2017

Das Glück ist kurz. Genießen wir es.

Nichts schockiert die Menschen so sehr, als wenn ihre Lieblingsserien abgesetzt werden, Bands sich auflösen, der vertraute Italiener um die Ecke verschwindet oder Bekanntschaften aus dem eigenen Blickfeld geraten, die man - möglicherweise einseitig - als Freunde wähnte.

Noch enttäuschender ist es in der Liebe, wenn das, was einst feierlich als gemeinsam entwickelter Zukunftstraum begann, als mit zwei Kugelschreibern dahin skizzierte Geschichte eines Paares, plötzlich ein Ende findet. Das mag Gründe haben. Oder auch nicht. Auf jeden Fall schien da irgendetwas zu fehlen.


Die Story braucht immer einen Kniff, damit sie weitergeht


Warum kann denn nicht noch eine Staffel folgen, die Figuren haben doch so viel Potential? Wieso schreiben sie dieses eine Lied nicht einfach noch mal, merkt doch keiner? Weshalb muss denn immer einer in der Beziehung der erste sein, der „Hallo“ sagt?



Anscheinend fehlt uns ein Konzept, wie wir mit dem „Auserzählten“ umgehen können. Nicht alles, was gut ist und von Bedeutung, braucht eine Fortsetzung oder ein Revival. Die große Liebe kann kurz sein, bei manchen reicht es nur für ein paar Monate, manchmal sogar nur für Tage. Aber vielleicht halten die Gefühle, wenn sie eben nicht mit den Hoffnungen verrechnet werden, die von all den Plakaten grüßen, ein Leben lang.

Es gibt Serien, die werden nach nur einer Season abgesetzt und bleiben trotzdem für immer in Erinnerung. Es existieren Bands, die haben nur eine Platte aufgenommen und touren damit eine Karriere lang durch die Welt. Glücklich. Die Pasta, die in einem kleinen Restaurant am Gardasee genossen wurde - sie macht all den anderen Italienern im eigenen Land spielend Konkurrenz. Und auch wenn dieser Mensch, mit dem wir so vortrefflich über alles sprechen konnten, dessen Lachen wir so gerne jeden Tag wiedersehen würden, plötzlich verschwunden ist, die Erinnerung an die gemeinsame Zeit ist stärker als die Vorstellung, jede Woche zur selben Zeit gemeinsam in einem Café zu sitzen.

Das Glück ist kurz. Genießen wir es.

24. März 2017

David Lynch von A-Z: Esoterik

Seit sich David Lynch für die Transzendentale Meditation stark macht, wird sein Werk in einem völlig anderen Licht betrachtet. Während einige Kritiker in dem esoterischen Kauderwelsch, das Lynch auch auf merkwürdigen Podiumsdiskussionen loslässt (z.B. in Berlin, wo eine Veranstaltung nach Studentenprotesten im absoluten Chaos endete), einen Ankerpunkt gefunden haben, um ihre Abneigung gegen die Filme des Amerikaners zu begründen, haben selbst glühende Fans Schwierigkeiten, mit Lynchs spirituellen Aussagen umzugehen.

Spirituelle Filme


David Sieveking drehte mit „David Wants To Fly“ eine glänzende Doku-Satire, die das Dilemma veranschaulicht. Der Meister düsterer Gegenwelten hat in einem Buch namens „Catching The Big Fish“ – das im Januar 2016 zum ersten Mal auf Deutsch erschienen ist – auch noch eine Anleitung zur friedfertigen Meditation und einem gelungenen Leben gegeben. Darin erzählt er von seinen tiefen Erfahrungen mit dem Tempo des Lebens, warum „Eraserhead“ sein spirituellster Film ist und wie man Musik richtig hört.


Dabei sind auch Lynchs Filme von einer zuweilen bizarren Esoterik geprägt. Wenn Agent Dale Cooper (Kyle McLachlan) in „Twin Peaks“ mit einem Buchstaben- und Dosenspiel versucht, den Mörder von Laura Palmer zu ermitteln, wird dieses Vertrauen in eine Welt, in der nichts zufällig ist und der Zugang in derartige Paralleluniversen (The Red Room!) nur wenigen Individuen zugänglich ist, auf geradezu sanftmütige Weise versinnbildlicht. Wenn Sie das „Spice“ in „Der Wüstenplanet“ für Sci-Fi-Quatsch hielten und die Schlussszene von „Blue Velvet“ für puren Kitsch, täuschen Sie sich eventuell.

20. März 2017

Zwei Zutaten

„Gibt es schließlich eine bessere Form, mit dem Leben fertig zu werden, als mit Liebe und Humor?“
Charles Dickens

17. März 2017

David Lynch von A-Z: Dumbland

David Lynch kreierte nicht nur mit „The Angriest Dog In The World” einen genialen wöchentlichen Comic-Strip (der stets aus den selben Bildern bestand und nur eine Variation der Dialoge darstellte), sondern auch eine radikal-minimalistische Zeichentrickserie namens „Dumbland“, die lediglich acht kurze Episoden trug und zunächst auf seiner Website eingestellt wurde.

Mit kruden Animationen zeigt der Künstler hier Situationen aus dem Leben eines typischen weißen Amerikaners des Kleinbürgertums. Natürlich geht es auch hier seltsam, wenn nicht gar vulgär zu. Nachbarn haben Sex mit Enten, es wird eher geschrien als gesprochen, Blut spritzt aus den Köpfen der Figuren und Ameisen spielen eine furchterregende Nebenrolle.

13. März 2017

Liebeserklärung an „American Beauty"

Wer hätte je gedacht, dass es möglich sein könnte, wegen einer Plastiktüte in Tränen auszubrechen?


„American Beauty“ wird uns auch noch weinen lassen, wenn wir ihn zum einhundertsten Mal sehen. Das liegt daran, dass der Film mit ungeheurem Feingefühl (und natürlich vielen treffenden Sprüchen) eine Riesenportion Melancholie über seine Figuren ausschütten lässt und sie genüsslich dabei beobachtet, wie sie sich, mehr schlecht als recht, freischwimmen.

Natürlich ist da Lester Burnham, diese vom Leben kleingestampfte Wiederkehr von Nabokovs Humbert Humbert, der sich vom amerikanischen Traum, gelinde gesagt, verarscht fühlt und nun wie ein pubertierender Teenager dagegen ankämpft. Klar, das ist ein armes Würstchen ("Sehen sie mich an: Ich hole mir unter der Dusche einen runter. Dies ist der Höhepunkt meines Tages. Von hier an geht's nur noch bergab.") – aber trotzdem keiner dieser Jammerlappen, wie sie in all den Hipster-Filmen und Midlife-Crisis-Dramen dahinvegitieren.


Regisseur Mendes und Drehbuchautor Alan Ball gelingt es vorzüglich, den Zuschauer mit ins Boot zu holen und ihn mitfiebern zu lassen, mit welchen Mitteln Mr. Burnout seiner Krise zu entrinnen versucht und dabei, ganz ohne es zu bemerken, weiter hineingerät. Dass ihm – und zugleich uns stummen Zeugen dieser hellsichtigen Dramödie – dabei trotz allem ein Licht aufgeht, das Leben in seiner ganzen Fragilität und Schönheit erkennen lässt, ist ein kleines Wunder, das sich das Kino eigentlich viel zu selten erlaubt und kleinlaut an die anderen hohen Künste abschiebt.

Okay, „American Beauty“ ist eigentlich Theater: die kraftvollen, gemarterten Figuren, die mit der Schärfe eines bergmannschen Rasiermessers auseinandergenommene Verlogenheit der Kleinstadtidylle, diese zum Witz aufgebrühten Szenen einer Ehe. 

Aber es ist auch große Literatur – an „Lolita“ geschult (und natürlich klingt Burnham fast wie Humbert; zuviel Hochgeistigkeit für das amerikanische Publikum, aber das bekommt zur Lehrstunde in Sachen antikes Drama mit astreiner Katastrophe und Trauerchor von den Beatles/Elliott Smith ja trotzdem eine Menge Erdnussbutter, Teenage-Angst und Sozialsatire gereicht), an Tschechow ebenso.

Sowieso besteht die Kunstfertigkeit von „American Beauty“ darin, dass hier allerhand Nöte bebildert werden, die Protagonisten ihre klammen Herzen öffnen, ohne dass es je peinlich würde. Der Schuss Surrealismus, den Mendes seiner éducation sentimentale verpasst, bleibt für alle Ewigkeit. Nicht nur, weil Millionen von Frauen für ihren Liebsten wie Mena Suvari nackt in Rosen baden, um ihn vielleicht zum Hochzeitstag mit einem frechen Foto zu überraschen – sondern weil surrealistische Bilder auf der Leinwand eben selten geworden sind. Bunuel ist davongeflogen, Jodorowsky scheint irgendwie doch ein Clown zu sein und Lynch kriegt keinen Film mehr finanziert.


Die von Paula Abdul ergreifend choreographierte Cheerleader-Szene demaskiert all die Männer-Sehnsüchte im mittleren Alter, und gibt sie eben nicht der Lächerlichkeit preis. Letztlich gewinnt eine zwielichtige Romantik, ein banges Hoffen auf eine letzte Spätblüte, die Oberhand. Und der Film gönnt der frustrierten, natürlich depressiven Familienmutter Carolyn, hochkomisch und mit dem richtigen Schuss Verzweiflung gespielt von Annette Benning, ihre Affäre mit dem Immobilien-Hai der Stadt („Fick mich, euer Majestät!“).

Die schönste Pointe des Films ist aber, dass der einzige Hoffnungsträger ein kleiner mieser Dealer ist, der heimlich seine Angebetete mit der Kamera sondiert und ihr Opfer darbietet, als könne er seine Liebe gar nicht anders bezeugen. 

Dieser Ricky (herrlich autistisch dargestellt von Wes Bentley; allein sein erschrockener Blick, als er bemerkt, dass er mit seinen schrägen Aktionen tatsächlich das Herz von Jane Burnham erobern konnte, ist das Eintrittsgeld für den Kinobesuch wert) wäre in anderen, kleingeistigen Filmen ein Loser. Hier ist er der große Weltendeuter, der Melancholiker, der sich seiner eigenen Trauer ohne Grund mehr als jeder andere bewusst ist. ("An diesem Tag ist mir klar geworden, dass hinter allem Leben steckt. Und diese unglaublich gütige Kraft, die mich wissen lassen wollte, dass es keinen Grund gibt, Angst zu haben.")

Man kann von dieser Erkenntnis nicht ungerührt bleiben, denn sie wächst eben sprichwörtlich wie eine amerikanische Rose aus dem Misthaufen.Filigran ist aber auch das Spiel von Mena Suvari, die nach ihrem, nun ja: süßen, Auftritt in der Teenie-Klamotte „American Pie“ eine so mustergültige und doch nie sirenenhafte Verführerin gibt, die letztlich mit all dem noch nicht in Berührung gekommen ist, wofür sie ganz unschuldig wirbt. Ein bittersüßer Clou der auch hier grässlichen Adoleszenz, die einst selbst Dr. Sommer zitierte, um jungen Mädchen klar zu machen, dass der Schein mehr als einmal trügen kann.

All diese überlebensgroßen Dramen, die sich trotzdem nie unangenehm aufplustern oder gar je aufdringlich falsches Mitleid heischen, werden wunderbar treffend von den minimalistischen Klängen Thomas Newmans' eingefangen. Das zartfühlend dahinperlende Piano, das die im Wind tanzende Plastiktüte untermalt, bleibt ein leiser Gassenhauer der modernen Filmmusik – und das mit Recht. Aber wie funkelnd ist auch der Soundtrack: Nur wenige Sekunden preschen die Eels mit „Cancer For The Cure“ hervor („Beautiful Freak“, das Debüt der Band, war die erste Veröffentlichung auf Dreamworks Records, das von David Geffen, Steven Spielberg und Jeffrey Katzenberg wie eben auch die "American Beauty"-Produktionsfirma gegründet worden war. Der Song stammte allerdings vom todtraurigen Nachfolger “Electro-Shock Blues“) und so wahnsinnig prominent darf dann noch einmal „Allright Now“, der etwas angestaubte Riesen-Hit von Free, ertönen. Würden wir heute noch irgendetwas von Gomez hören, wenn nicht „We haven’t Turned Around“ hier aufgeschienen wäre?

Sam Mendes hat in seiner erstaunlichen Karriere noch keinen schlechten Film gemacht (auch wenn „Away We Go“ keiner sehen wollte und „Zeiten des Aufruhrs, diese so nötige wie umständliche Richard-Yates-Verfilmung, wohl seine Ehe mit Kate Winslet zerstörte) und darf nun schon zum zweiten Mal als Bond-Regisseur reüssieren.

Aber „American Beauty“, der ohne Produzent Steven Spielberg nie entstanden wäre, bleibt sein großes Meisterwerk: eine sensible, hochironische, humanistische Komödie mit Schreckmomenten, die ohne großes Aufsehen zu machen das womöglich klügste Generationenporträt lieferte, das das amerikanische Kino im letzten Jahrzehnt des alten Jahrtausends zu schöpfen in der Lage war. 

Dass es dafür einen englischen Theatermacher brauchte, ist eine jener Storys, mit der sich Hollywood nun einmal immer wieder vor dem eigenen Untergang durch allzu seichte Unterhaltung hinwegrettet.

ROLLING STONE online (zuerst erschienen am 31.Juli 2015)

10. März 2017

Mit schlechtesten Grüßen

Nichts wird so leichtfertig in die Welt geworfen wie ein Gruß. Jede klitzekleine, bedenkenlos dahingeschriebene Mail enthält einen - und sei es nur aus Gründen der Höflichkeit. Doch warum versehen so viele Menschen inzwischen ihre Gedanken, Forderungen und Fragen mit „besten Grüßen“?

Auf den ersten Blick ist gegen diese Freundlichkeitsformel nichts auszusetzen. Sie scheint ja nur eine ausdrucksstärkere Variante der „freundlichen Grüße“ zu sein. Supersuperlative machen es im Leben ja stets einfacher. Vielleicht ist die Anwendung dieser neuen Leerformel eine Reaktion darauf, dass die „herzlichen Grüße“ doch etwas zu persönlich geworden sind. Man will ja nicht gleich mit Arial-Buchstaben umarmen.


In Netzforen machen sich unzählige Menschen verzweifelt Gedanken darüber, was sie ihrem Chef unter die Dienstmail klemmen, wie der Professor gegrüßt werden sollte oder was der Hausarzt gerade noch ziemlich finden könnte, um beim nächsten Mal vielleicht einen früheren Sprechstundentermin anzubieten.

„Die Grußformel muss zum Angesprochenen passen“, antworten dann die Life&Work-Coacher. Wer „beste Grüße“ sendet, kann da ja nichts falsch machen - denn diese Grüße sind nicht nur gut, sie sind delikat, extraordinär, vom Feinsten. Besser eben als die der anderen. Als gäbe es selbst hier einen Wettbewerb.

Superlative kennen keine Zurückhaltung


Dabei sind Empfehlungen nicht qualitativ einzustufen. Wie könnte denn eine besser sein als die andere? Hier hat sich wohl nur wieder ein Ventil gebildet für eine sprachliche Chiffre aus der Arbeitswelt, die längst ins Private hinüberschwappt. Wer sich keine Blöße geben will, muss der Beste sein - und sei es nur beim Verabschieden.

Das wirkt vor allem in jenen Fällen erschreckend verlogen, wenn nach einer kaum versteckten Forderung oder einer unzureichend kaschierten Wutbotschaft trotzdem noch die „besten Grüße“ winken. „Freundliche Grüße“ können immerhin ausdrücken, dass man einen gewissen Anstand selbst dann noch wahrt, wenn der Ausnahmezustand längst eingetreten ist. Doch „beste Grüße“ kennen keine Zwischentöne. Wie jeder Superlativ.

8. März 2017

David Lynch von A-Z: Clowns

Die tragikomische Dimension der Clowns hat Lynch in vielen seiner Filme als Ausgangspunkt verwendet, um faszinierende Figuren zu erschaffen, die allesamt mit ihrer wahren Motivation hinter dem Berg halten und für den Zuschauer durch ihre groteske, wahnsinnige, aber eben auch komische Art, mit der Umwelt in Beziehung zu treten, unterhaltsam sind.

Die flirrende Welt des Zirkus' und der Jahrmärkte gab Lynch in Interviews als große Inspiration für seine künstlerische Arbeit an, verewigt wurde diese Faszination in „Der Elefantenmensch“. Aber mit seinem selbstständig eingespielten Album „Crazy Clowntime“ und dem dazugehörigen Titelsong samt psychedelischem Video fand er noch einmal einen völlig anderen Zugang zu dem Thema.

3. März 2017

People just ain't no good

I think that's well understood 
You can see it everywhere you look 
People just ain't no good

1. März 2017

SMS für dich

Früher, als der Speicherplatz noch beschränkt war, haben wir SMS gesammelt. Wir haben sie verteidigt gegen wortgewordenen Schund. Manchmal haben wir abgewogen, welche Liebeserklärung (oder welche Zornbotschaft) erinnerungswerter war. 
Die schönsten Kurzmitteilungen haben wir sogar abgeschrieben. Nun rollen die Sätze grinsend oder flennend übereinander hinweg. Was unbeachtet in der Vergangenheit abgelegt ist, verschwindet still und heimlich. Wir sollten wieder Flaschenpost verschicken.