18. September 2017

Verabredet

Es gibt Menschen, die nur deshalb zu spät zu Verabredungen kommen, weil sie fürchten, allein auf jemanden warten zu müssen.

15. September 2017

13. September 2017

11. September 2017

8. September 2017

David Lynch von A-Z: Zauberer von Oz

An diesem uramerikanischen Stoff von Frank L. Baum, 1939 von Victor Fleming mit großem Aufwand verfilmt, arbeitet sich Lynch seit Jahrzehnten ab.

Die roten Schuhe, sie kehren nicht nur in „Wild At Heart“ wieder (ebenso wie die gute Fee und die böse Hexe). Natürlich heißt Isabella Rossellini in „Blue Velvet“ Dorothy.



Lynch: „Der Zauberer von Oz hat etwas von einem Traum und übt eine enorme emotionale Kraft aus.“

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7. September 2017

David Lynch von A-Z: Wahnsinn

Henry Spencer wird in „Eraserhead“, alleingelassen mit einem Monster von einem Säugling, verrückt. John Merrick, der „Elefantenmensch“, leidet weniger an seinem grotesken Äußeren als vielmehr an seiner Schwermut. Frank Booth erstickt in “Blue Velvet” fast an seinen sexuellen Aggressionen („Ich ficke alles, was sich bewegt“), Laura Palmers Mörder in „Twin Peaks“ ist vielleicht (auch) Produkt einer gefährlichen Schizophrenie, an der wohl auch Fred Madison in „Lost Highway“ leiden könnte. In „Wild At Heart“ ist nicht nur Finsterling Bobby Peru, sondern sogar die Liebe, die letzte Gewissheit, auf die sich die aus den Fugen geratene Welt noch einigen kann, irrsinnig. 



In Lynchs Filmen, Malereien, Fotos, Musikstücken, ja selbst in seinen Installationen und Kunstobjekten herrscht der Wahnsinn, der an Logik und Sinn wie ein schädliches Insekt nagt. Auch hier folgt der Regisseur konsequent dem Programm der Surrealisten, die sich am Kranken und Wirren labten wie der Barock am Tod.

6. September 2017

David Lynch von A-Z: Voyeurismus

Auch hier wieder: „Blue Velvet“. Jeffrey Beaumont, auf der Suche nach einem echten Abenteuer und eingestiegen in das Apartment von Dorothy Vallens, kann gerade noch in den Kleiderschrank flüchten, als die Dame seines Begehrens unerwartet früh nachhause zurückkehrt. Und nun muss der Jüngling etwas beobachten, das ihn wie auch den Zuschauer wohl gleichsam abstößt wie eigenartig erregt. Auf jeden Fall sorgt diese Variation der Ur-Szene (Kind beobachtet Mutter und Vater beim Sex) dafür, dass Jeffrey der geheimnisvollen Brünetten vollkommen verfällt. Er hat Paradies und Hölle gleichzeitig gesehen.

Die Filme von Lynch sind geprägt von einem Voyeurismus, der für die Zuschauer oft zur Tortur wird. Zu sehen ist, wovor man sonst die Augen verschließen würde. Ein allgegenwärtiges Prinzip, das sich längst nicht nur auf die spätestens seit Freund unter dem Begriff versammelten Leidenschaften bezieht. Natürlich trauern die Figuren in „Twin Peaks“ um Laura Palmer, sogar eine ganze Kleinstadt. Als Zuschauer trauert man mit, die Tränen werden in dieser Form sogar zum gleichsam sexuell aufgeladenen Fetisch erhoben. Angelo Badalamenti versucht dies mit seinem hochemotionalen Musikthema, das immer sofort erklingt, wenn es um die Ermordete geht, im Grunde zu erzwingen.

Kunst der Perversion <-> perverse Kunst


Doch recht eigentlich wartet man, von unzähligen Krimis und Horrorfilmen daran gewöhnt, dass die soziale und psychologische Fassade aufgebrochen wird und die düstere Wahrheit über das Opfer, aber auch die um sie trauernden Mitmenschen ans Licht kommt. Gerade der Kontrast zwischen Handlungserwartung und inszenierter Gefühlsaufwallung stärkt das voyeuristische Bedürfnis des Zuschauers.

Unheimlich wird es dann, wenn es plötzlich nicht mehr nur um die Aufklärung eines Gewaltverbrechens geht, sondern zwischenzeitlich um den Geschmack von Donuts und Kaffee. Auch so ein Fetisch.

Das Publikum wird gezwungen, hinzusehen - jedem Detail Beachtung zu schenken. Diktatur des Auges, Entfesslung der infantilen Lust. „Zu beobachten, ohne selbst gesehen zu werden, ist eine tolle Sache“ – sagte Lynch einmal in einem Interview. Kein anderer Gegenwartskünstler hat sich diesem Geheimzugang zur Welt so sehr verschrieben.