20. Oktober 2017

Der Apokalyptiker (2): Frontalangriff auf die Zerstreuung



Spätestens mit der metanarrativen Zumutung „Funny Games“, der von vielen Zuschauern zumindest skeptisch betrachteten Mediensatire, die der Regisseur mit großen Stars in Hollywood noch einmal inszenierte, hatte sich Haneke als unerbittlicher Gesellschaftskritiker etabliert. Sein subversiver Angriff galt aber immer schon weniger den sozialen Zuständen, als viel mehr den Bildern, die sich die westliche Welt zu Selbstvergewisserung auf die Kinoleinwände und inzwischen auf die Smartphones holt. Darin erkannte er die Lust am Skandal, an der Gewalt, an der Verdummung – am grenzenlosen Konsum von Narrativen, die jede moralischen Reflexion über Sinn und Unsinn des Daseins obsolet macht. 

Für Haneke ist diese Form der Unterhaltung lediglich Zerstreuung, die er mit seinen ernsthaften Meditationen über die obskuren Begierden und gewissenlosen Fehlurteile des Bürgertums in Frage stellt. Und in seinen Filmen geht es vor allem um die gut Betuchten, die ihre Schuldgefühle mit teurem Rotwein herunterkippen können. Mehrfach deutete Haneke deshalb in der Vergangenheit an, dass er natürlich kein globales Publikum im Sinn habe. Stattdessen zielten seine Werke auf das gut situierte westliche Publikum, das selbst vermeintlich subversive, zur Veränderung der Verhältnisse aufrufende Kunstwerke wie gut gezuckertes Popcorn konsumiert.

Der einstige SWR-Dramaturg, der erst spät die große Leinwand für sich entdeckte und mit einigen drastischen TV-Inszenierungen (die, wie „Lemminge“ oder „Nachruf auf einen Mörder“, heute freilich kaum noch gezeigt werden) für erstes Aufsehen sorgte, ist schon deshalb eine Ausnahmeerscheinung im europäischen Kino, weil seine gerne als Lerhrstücke verspotteten Werke noch die Kenntnis der großen Klassiker der Literatur, der Kunst und des Autorenkinos Bergmans,  Kiarostamis, Kurosawas und Pasolinis atmen und natürlich beim Publikum voraussetzen. Manche würden vielleicht sagen, dass sie den Zuschauern ins Gesicht gespuckt wird.


Widersprüchliche Welt


Einer, der mehr zu wissen vorgibt, wird in diesen Zeiten entweder verlacht oder wie ein Heiliger gefeiert. Diese kompromisslose Intellektualität hat man dem auch als Filmhochschullehrer agierenden Österreicher deshalb oft zum Vorwurf gemacht. Er sei ein Misanthrop, der seine Figuren zynisch dem Weltübel ausliefere. Erst kürzlich antwortete Haneke auf seine Kritiker in einem Interview: „Nicht ich schau grausam auf die Welt, die Welt ist halt so, wie sie ist: widersprüchlich und schwierig.“

Die Kafka-Verfilmung des Romanfragments „Das Schloss“ fand 1997 wenig Zuschauer, „Wolfzeit“ bedrückte 2003 als Endzeitvision deshalb so sehr, weil alle Ausfallschritte der inzwischen wieder grassierenden Apokalypse-Ästhetik vermieden werden. „Im Frieden kommst du nicht vorwärts, im Krieg verblutest du“, schrieb Kafka in sein Tagebuch - und vielleicht sind es derartige Widersprüche, die das Leben als nimmer mehr enden wollendes Kampfgeschehen deuten, denen sich Haneke verschrieben hat. Insofern sind „Das Schloss“ und „Wolfzeit“ vielleicht auch am entlarvendsten, wenn es um den ästhetischen Anspruch des 75-Jährigen geht: Dies ist ein Meister der apokalyptischen Erzählung, deren Figuren nicht verschont werden. Weil das Leben auch keine Kreatur verschont.

Erschienen bei ROLLING STONE online

16. Oktober 2017

Der Apokalyptiker (1): Fragmentarische Versuchsanordnungen

Michael Haneke ist einer der letzten Vertreter eines aussterbenden europäischen Kinos, das seinen Zuschauern emotional und intellektuell alles abverlangt. Notizen zum Lebenswerk eines radikalen Denkers. 


In einem Interview sagte Michael Haneke einmal, dass er sich nicht als glücklichen Menschen bezeichnen würde. Das dürfte die Zuschauer seiner Filme kaum überraschen. Sie haben keine Happy Ends (und trotzdem drehte der in München geborene Österreicher einen Film mit genau diesem Titel). Sie vermitteln vor allem im Frühwerk den Eindruck, kühl inszenierte Versuchsanordnungen zu sein und in der Regel kommen Menschen und Tiere auf grausame Art und Weise zu Schaden. 



„Ich tendiere dazu, melancholisch zu sein“, fügte Haneke seiner Feststellung in dem Gespräch an. „Als Melancholiker kann man sich schon recht glücklich fühlen.“ Jene Dialektik, die der Filmemacher für seine eigene Lebensweise behauptet, prägt auch seine durchaus auf mehrere Arten persönlichen Werke, die stark am minimalistischen Kino von Robert Bresson orientiert sind (Haneke schrieb sogar einst einen Essay über den von ihm bewunderten „Au Hasard Balthazar“) und die moralisch-spirituelle Dimension der Filme Tarkowskijs (von denen er nach eigener Aussage vor allem „Der Spiegel“ schätzt) in einer von jeder Esoterik befreiten Verfassung in die Gegenwart holt. 

Filme über die Vergletscherung der Gefühle der Menschen 


Seine ersten drei Filme, „Der siebente Kontinent“, „Bennys Video“ und „71 Fragmente einer Chronologie des Zufalls“, nannte Haneke einmal die Trilogie über die Vergletscherung der Gefühle der Menschen. Später bereute der Regisseur diesen Ausdruck, vermittelte er doch den Eindruck, dem akribischen Handwerker perfekt choreographierter Einstellungen ginge es vor allem darum, die Kommunikationsnöte einer Gesellschaft zu schildern, die sich von ihrer Depression nicht einmal mehr mit Betäubungsmitteln befreien kann. 

Doch das eindringliche Label, das der Österreicher seinen frühen Filmen verlieh, passte eben doch wie die Faust aufs Auge, weil es den Mysterien seiner Stoffe immerhin gleich eine Deutung mitgab: Eine Familie begeht kollektiv Suizid und verabschiedet sich schleichend aus der Welt, ein Jugendlicher tötet ein junges Mädchen und zeichnet es mitleidlos auf Video auf, ein Teenager läuft  scheinbar ohne einen bestimmten Grund Amok. Doch wie auch seine späteren, von der Kritik gefeierten Werke „Caché“, „Das weiße Band“ oder der mit einem Oscar bedachte „Liebe“ die Motivation der handelnden Figuren hinter einer vieldeutigen, ausgefeilten Erzählhaltung verbergen, so gilt dies wohl noch mehr für die experimentelle, aber symbolisch gleichwohl plakativere Frühtrilogie. 

Natürlich kommt es weniger darauf an, worum es wirklich geht, sondern WIE es inszeniert ist. Haneke erprobte sich in seinen frühen Kinoproduktionen selbst als nachdenklicher Medientheoretiker. Immer wieder sind Nachrichtenbeiträge aus dem Fernsehen zu hören, permanent wird Zeitung gelesen. Alles umsonst. Erkenntnisse lassen sich daraus nicht gewinnen. Die Medien haben keine Botschaft mehr. 

„71 Fragmente einer Chronologie des Zufalls“, wohl der am wenigsten bekannte, seiner Filme, wirft einen erschreckenden Blick auf die fatale Entwicklung eines aus der Spur geratenen Jugendlichen – und webt seine Gewalttat in ein Panorama von vielen einzelnen Sequenzen auch seiner Umgebung ein, die letztendlich die Komplexität der Psychologisierung einer solchen Wahnsinnstat ästhetisch spiegeln. Ein filmisches Verfahren, das sich Alejandro González Iñárritu für „Amores Perros“ zueigen machte – ohne allerdings die tiefenpsychologische und medienkritische Tendenz des Verfahrens zu adaptieren. 

11. Oktober 2017

Der Entscheidungsspieler

Kaum ein Spieler beim FC Bayern München hat die erfolgreiche Ära der letzten Jahre so sehr geprägt wie Arjen Robben. Mit seinem unvergleichlichen Tempospiel und einem fast unheimlichen Ehrgeiz machte er mehr als einmal den Unterschied aus. Nun spielt er im Herbst seiner Karriere noch einmal eine neue Rolle.



Es gibt Fußballspieler, die auch aus einer Entfernung von mehreren hundert Metern sofort wiedererkannt werden können. Sie bewegen sich auf eine ganz eigenständige, man möchte fast sagen magische Art und Weise über den Platz. Sie preschen druckvoll über den Rasen - wie Christiano Ronaldo. Sie hüpfen von einem Gegner zum nächsten, den Ball am Fuß, als würde er von einem Magneten angezogen - wie Lionel Messi. Oder sie dribbeln wie ein ehrgeiziges Kind, das es jedes Mal als Kränkung empfindet, die Kugel zu verlieren, von einer Linie zur nächsten - wie Arjen Robben.

Der niederländische Offensivspezialist ist schlichtweg allein das Eintrittsgeld fürs Stadion wert. Nicht nur weil er auch in seinem 33. Lebensjahr noch eine Jugendlichkeit ausstrahlt wie sie manchein vom fürstlichen Gehalt sattgewordener Nachwuchsspieler bereits nach wenigen Profijahren vermissen lässt. Sondern weil er mit geradezu unheimlichem Antrieb, wild mit den Armen rundernd, dem Tor entgegenzischt, jederzeit damit beschäftigt, die Abwehr zu umkurven, Gegner auf sich zu ziehen und so Löcher im Strafraum zu provozieren. 

In Robbens Gesicht zeichnet sich etwas ab, das bitter wirkt: ein wenig Zorn, viel Konzentration und ein Quantum Überheblichkeit. 

Man hat Robben diese beunruhigende Emotion, die 90 Minuten lang anhält und sich gleich nach dem Abpfiff beim Interview mit den Fernsehreportern in ein kieksendes Lachen verwandelt, als lästige Pikiertheit vorgeworfen. Dieser Stürmer ist beleidigt und verstimmt, weil seine Kunst kaum gewürdigt wird. Oder weil die Mitspieler nicht mit ähnlicher Triebenergie über den Platz hetzen. Möglicherweise ist Robben aber auch selten mit sich zufrieden, weil für ihn andere Ziele zählen als für die meisten anderen Fußballer.

Aleinikov


Die hielten ihm - vor allem seit seiner erfolgsverwöhnten Zeit beim FC Bayern München - oft vor, egoistisch zu agieren, nur das eigene Spiel vor Augen zu haben. Der eher giftige Spitzname "Aleinikov" fand seinen Weg aus der Kabine der Münchner an die Öffentlichkeit. Das ist insofern unfair, als dass der Niederländer mit seiner Technik und seinem Tempo oft erst die Räume für andere Mitspieler eröffnet und so viel zur Torgefahr des Rekordmeisters beiträgt. 

(Man erinnere sich nur, mit welchem Knalleffekt der Stürmer in München nach seiner Verpflichtung im Spätsommer 2009 einschlug: Gleich im ersten Bundesligaspiel gegen den Vfl Wolfsburg erzielte er zwei Tore, harmonierte nur Minuten nach seiner Einwechslung bereits mit Ribéry, als hätten beide schon ewig miteinander gespielt. Van Gaal gelang mit dem Transfer Robbens auch ein genialer Trick, denn das Team hatte zur damaligen Zeit sichtbare Schwächen in der Abwehr - ein Erbe aus der glücklosen Trainerzeit Jürgen Klinsmanns - und der exzentrische Holländer löste dieses Problem, in dem er mit einer Flügelzange, später treffend als Robbery getauft, den Schwerpunkt im Mittelfeld neu verlagerte, und das Spiel so schneller und variabler machte.)

Es hat aber durchaus seine Berechtigung, weil Robbens Virtuosität sehr stark davon lebt, dass pausenlos, bis zum Verlust aller Leibeskräfte, der Weg zum Tor gesucht wird. Bedingungslos und im Vollsprint. Robben ist schneller als seine Gegner, immer. Auch wenn die Beine inzwischen schwerer geworden sind. 

Dabei gelingt ihm auf nahezu unglaubliche Art immer wieder ein Narrenstreich, den längst die halbe Fußballwelt kennt. 

Der Linksfüßer, der von Louis Van Gaal nach seinem Transfer aus Madrid bei den Bayern auf der rechten Seite als Amalgam aus Offensivantreiber und Flügelstürmer fest installiert wurde, dribbelt die Linie entlang, lässt seine Gegner aussteigen, rückt scharf nach links ein und zieht - oft ins linke Eck - ab. Die Tore, die ihm auf diese Weise gelangen, kann man nicht mehr zählen.

Obwohl also jeder Verteidiger längst die Finte kennt, bleibt den meisten nur das Nachsehen. Man könnte zu dem Eindruck gelangen, dass Robben nur Glück hat, wenn er diesen signature move vollführt, oder dass er als Spieler wegen der Repetition dieser Ballstafette technisch eigentlich eher limitiert ist, gerade im Vergleich zu Rasenzauberern wie Neymar, Ibrahimovic oder Özil. Doch das wäre eine plumpe Beobachtung.

Höchstmaß an Adrenalin


Die Kunst dieses Ehrgeizlings ist es, seine Fähigkeiten optimal und auf den Punkt einsetzen zu können, Wiederholungschleifen mit kaum sichtbaren Variationen zu produzieren und zu brennen für den Sieg wie kein anderer. Er begreift den Fußball scheinbar als Kampfgeschehen, das nicht nur mit dem Kopf und mittels Taktiktafel, sondern vor allem auch durch ein Höchstmaß an Adrenalin entschieden wird. Robben gelangen so in seiner Karriere, vor allem auch beim FC Bayern München, entscheidende Tore in Situationen, bei denen anderen Spielern die Nerven mürbe und der Körper schlaff geworden waren. Auf den richtigen Moment lauert der Spieler dabei nicht, er hört nur einfach nicht auf zu laufen - wie zum Beispiel bei seinem schier unglaublichen Siegtor im Pokalhalbfinale 2010 gegen Schalke 04, als er in der Verlängerung in der 112. Minute mehr als 80 Meter über den Platz sprintete, vier Gegner ausspielte und nach einer wendigen Drehung im Strafraum schließlich  mit purer Willenskraft den Ball im Netz versenkte.



Es muss kaum mehr betont werden, wie wichtig Robben für den FC Bayern München ist, auch wenn der Verein überlegt, mit welchem Vertrag er den 33-Jährigen in Zukunft ausstatten will. Seine spielentscheidenden Tore haben sich eingebrannt im Gedächtnis der Fußballfeinschmecker. Zum Beispiel das 2:1 im Champions-League-Finale gegen Borussia Dortmund im Jahr 2013, als er fast in der letzten Spielminute über zwei Verteidigerbeine schwebte und den Ball am herauseilenden Torwart Weidenfeller sanft vorbeizirkelte. Oder der glückliche Anschlusstreffer im Champions-League-Viertelfinale gegen Manchester United 2010, als die Münchener schon nach wenigen Minuten rettungslos mit 0:3 zurücklagen und Robben nach einer passgenauen Ecke von seinem kongenialen Partner Ribéry mit einem rustikalen und doch artistischen Volleyschuss das Weiterkommen sicherte.

Robben und die Elfmeter


Es bleiben aber auch seine zuweilen sinnlosen Sololäufe in Erinnerung, wenn Robben sich ein ums andere Mal wieder im Dribbling um Kopf und Kragen spielt. Zudem reizte der robuste Spieler seine Gegner schon mehr als einmal zur Weißglut, wenn er nach einem kleinen Zupfer im Strafraum theatralisch, mit schmerzverzerrtem Gesicht und hilflosem Blick zum Schiedsrichter zu Boden fällt. Wie viele Elfmeter hat der Niederländer so schon schinden können. Und die meisten davon, das belegen die Fernsehbilder, sind gerechtfertigt - weil Robbens Bewegungsradius dynamischer, unberechenbarer ist als die hilflosen Defensivaktionen seiner Widersacher. 

Der Elfmeterpunkt hätte allerdings vor mehreren Jahren auch für einen tiefen Bruch in der Beziehung zwischen dem bajuwarischen Erfolgsverein und dem selbstsicheren Stürmer führen können. Unter Jupp Heynkes, der Robben mit vielen Gesprächen und dem richtigen taktischen Gespür dazu brachte, auch in der Defensive konsequenter mitzuarbeiten (wovon die Mannschaft noch unter Pep Guardiola profitierte), verschoss er gleich zwei bedeutende Elfmeter, einmal folgenlos im Champions-League-Halbfinale in Madrid 2012 und dann auch noch im Finale gegen Chelsea London in der Allianz Arena. Die Bayern verpassten denkbar knapp den historischen Triumph im eigenen Stadion und Robben wurde fortan ausgebuht von den eigenen Fans, die ihm zuvor stehenden Beifall spendeten. Der Beleidigte zeigte sich störrisch, blickte sich auf dem Transfermarkt um - und blieb trotzdem. Ein Glücksfall für Robben, weil er beim FC Bayern alle Möglichkeiten für sein kraftraubendes, enervierendes Spiel hat und das Spielsystem mit einem Stürmer und einer eher defensiv agierenden Sechserkette perfekt auf ihn zugeschnitten ist. Aber auch ein Glücksfall für den Verein, weil Robben mit Leistung und Willensbereitschaft zurückzahlt. Die Fans jubeln schon lange wieder glücklich.

Verletzungspech


Wenn da nicht die Verletzungen wären. Noch bevor Robben 2009 nach München wechselte, wurde ihm die Fragilität seiner Muskeln und Bänder bei seinen Stationen in Eindhoven, Chelsea London und Real Madrid zum Verhängnis. Immer wieder folgten längere Pausen, Knie und Waden schienen schon in jungen Jahren in Mitleidenschaft gezogen.

Robben wurde zum glass man getauft. Kaum einer wollte ihm eine Karriere als Weltklassespieler voraussagen, zu sehr drohte die Gefahr, dass die Knochen ihren Dienst versagen. Der Niederländer hat diese Verletzungsanfälligkeit, die in der Zwischenzeit bei den Bayern kaum noch zu sehen war, inzwischen aber wieder häufiger kontinuierliche Platzaktivitäten einschränkt, nie schwermütig hingenommen. Im Gegenteil: Robben kam nach jeder nervenaufreibenden Blessur nur noch gestärkter auf den Platz zurück, erlebte sichtbar für die Fernsehkameras jeden Einsatz als Geschenk und jeden Spielzug als richtungsweisenden Schritt auf dem Weg zum Erfolg. So sehr Robben vom Erfolg verwöhnt worden ist, so tragisch muten manche Momente seiner Laufbahn an, etwa als er freistehend vor dem spanischen Torwart Casillas in der Verlängerung des WM-Finales 2010 in Südafrika vergab und so den sicher verdienten Sieg für Oranje verspielte. 

Eigentlich könnte Robben zu den ganz Großen gehören - und doch wird seine Lust am Spiel, die einen Schauwert über das Match hinaus besitzt, eher belächelt. 

Weltmeister mit Holland wird der unnachgiebige Stürmer nicht mehr werden können. Und bei den Bayern stehen längst Nachwuchsspieler wie Coman, Costa und Sanchez in den Startblöcken, um den verdienten Recken aufs Abstellgleis zu verbannen. Doch Robbens Stärke, die viel zu viele Gegenspieler und Konkurrenten um einen Stammplatz bisher unterschätzten, ist sein nahezu unheimlicher Wille, voranzugehen, zu laufen, zu dribbeln, nach innen zu ziehen und irgendwie den Ball ins Eck zu schießen. Das muss ihm erst einmal einer auf dem Niveau nachmachen.

10. Oktober 2017

Klang

„Das lauteste Geräusch der Welt ist die Stille.“
Thelonious Monk